„Excuse me, Mrs, you’ve got a minute?“ Jaspers Augen funkeln, als er diese Zeile singt und Lili am Piano ansieht. Als dann noch Jan mit seinem Bass dazukommt, wippen 20 Paar Füße im Takt. „A fish called Louis“ liefern den perfekten Soundtrack für einen Samstagabend an der belgischen Nordseeküste.

„Wir machen Musik, um unsere Phobien in den Griff zu kriegen“, sagt Drummer Domien in der Pause auf unsere Frage, wie „A fish called Louis“ zu einer Band geworden sind. Fast vorsichtig fügt er noch hinzu: „Für mich ist es schon die zweite Therapie.“ Weil die anderen keine drei Sekunden später loslachen, wissen wir: Alles Quatsch. In Wahrheit haben Domien und Jan vor zwei Jahren noch Metal und Rock gespielt, Lili und Jasper hatten sich da schon in Gent als Songwriter-Duo gefunden. Als Domien dann bei den beiden anheuerte und Jan kurzerhand zur Probe mitbrachte, waren „A fish called Louis“ geboren.

Die Musikszene in der belgischen Universitätsstadt Gent, wo die vier leben, ist groß; viele Singer-Songwriter versuchen sich bei Live Gigs in Bars und Pubs in die Ohren des Publikums zu spielen. „Leider verkommen Auftritte hier in Belgien oft zur Hintergrundmusik“, erzählt Jasper. „Wenn wir spielen, unterhalten sich die Leute oft nebenbei, essen und trinken.“ In Deutschland sei das ganz anders, mischt sich Lili ins Gespräch. „Da gehen die Leute zum Konzert, um die Musik zu genießen und ganz im Moment zu sein.“ Für sie und die Jungs sei das die ungleich schönere Erfahrung, die sie so gern öfter erleben würden.

An diesem Abend geht Lilis Wunsch in Erfüllung: Die Band hat ihr Equipment zwischen schweren schwarzen Ledersofas aufgebaut, umrahmt von alten Ölgemälden, Lichterketten und dicken Teppichen – ein Wohnzimmerkonzert an der belgischen Küste, direkt hinter den Dünen. Auch für die vier eine neue Erfahrung.

Vom ersten Song an verfällt das Publikum in andächtiges Schweigen und lauscht den schönen und traurigen Liebes-Geschichten, die A fish called Louis in viele zauberhaft melancholische, aber nie kitschig wirkende Songs kleiden. Dabei erinnern die vier Belgier in manchen Passagen an Angus and Julia Stone – nur, dass Jaspers Stimme klarer klingt und weniger verträumt. Im Zusammenspiel mit Lili wird es dafür dann aber um so hingebungsvoller. Überhaupt ist die Musik der Louis-es oft folkiger, experimenteller und klingt irgendwie nach Skandinavien.

Als nach der x-ten Zugabe die letzten Töne des Abends verklingen, bleiben viele glückliche Gesichter und rote Wangen zurück. Vielleicht kommt das aber auch nur von der Seeluft, an einem Samstagabend in Belgien, hinter den Dünen.

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