Auf der Suche nach etwas zu essen laufen wir in der Abendsonne als einzige Touristen durch die Einkaufsstraßen von Famagusta, der uralten Kreuzfahrerstadt im Osten Zyperns. „Stadt der Kirchen“ wird sie auch genannt, weil in der einst bedeutenden Hafen- und Handelsstadt unter Heinrich II. im Spätmittelalter unzählige Gotteshäuser entstanden – für alle Religionen. Aktiv genutzt werden heute nur noch die Moscheen – oder solche Kirchen, die nach der Eroberung durch die Osmanen im 16. Jahrhundert durch den Bau von Minaretten in islamische Gotteshäuser umfunktioniert wurden. Der Rest liegt in Ruinen; stumme Zeugen eines immer noch schwelenden Konflikts.

mandeltorte wasmitbIn den Gassen Famagustas (griechisch Αμμόχωστος, türkisch Gazimağusa) bieten Frauen mit Kopftüchern zwischen Kleiderstangen voller Blusen, Handtaschen und Röcken Schmuck und allerlei Souvenirs an. Aus den Türen der Cafés zieht der Duft von Çay und Zigarettenqualm. Vor einem der Läden spielen die Männer Tavla (griechisch Τάβλι), die zyprische Variante von Backgammon. Andere schieben oder tragen ihre Waren kurz vor dem Abendgebet schon mal von der Straße zurück in den Laden.

kathedrale famagusta wasmitb

famagusta baeckerei eingang wasmitbDas schönste Geschäft in Famagusta ist für uns eine Konditorei (türkisch pastane) unweit der Lala-Mustafa-Pascha-Moschee, der früheren St. Nikolaos-Kathedrale, direkt an der alten Stadtmauer. Hier gibt es feine Pralinen, Torten und gebackene Süßigkeiten, die so kunstvoll drapiert sind, dass sie schon fast zu schade zum Essen sind. Und doch probieren wir uns durch die Auslage:

kuchen wasmitbGizem, die ursprünglich aus Istanbul kommt, steckt uns immer wieder etwas Neues zum Naschen zu. Unseren Favoriten haben wir bald gefunden: Das mit Honig überzogene Baklava, das hier in Zyperns Norden bei kaum einem Kaffeeplausch fehlt.

toertchen wasmitbDas aus mehreren Blätterteig- oder Filouteigschichten bestehende Gebäck gibt es schon seit Jahrhunderten – nicht nur hier auf der Insel, sondern überall im östlichen Mittelmeerraum. Ob Baklava (griechisch Μπακλαβάς) ursprünglich einmal aus Armenien, Griechenland oder von der arabischen Halbinsel nach Zypern kam, weiß heute kein Mensch mehr. Die türkisch-zyprischen Konditoren füllen das Gebäck mit geriebenen Walnüssen, manchmal auch mit Mandeln oder Pistazien. Natürlich kennt man Baklava seit jeher auch im Süden der Insel. Die Lust auf süße Leckereien hat eben keine Grenzen.

baklava wasmitb

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