Aus Berlin als Olympia-Stadt für 2024 oder 2028 ist nichts geworden – nicht zuletzt, weil die Hauptstadt pleite ist. Dabei hatte Berlin immerhin schon ein Olympiastadion – und eine olympische Geschichte. 1936 wurden die Spiele unter Hitler vom friedlichen Wettstreit der Völker zur Propaganda-Inszenierung unter’m Hakenkreuz. Was davon außer dem Fackellauf und dem berühmten Stadion heute noch übrig ist, haben wir uns vor den Toren Berlins, im ehemaligen olympischen Dorf, angesehen.

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Olympisches Dorf für 4000 Athleten

Kaum jemand, der mit dem Zug am brandenburgischen Elstal kurz vor Spandau vorbeifährt, vermutet hier stumme Zeugen der Olympischen Sommerspiele von 1936. Knapp zwei Kilometer vom Bahnhof trotzt in Döberitz das olympische Dorf von damals auf insgesamt 55 Hektar dem Zahn der Zeit. Rund 3800 männliche Athleten sollte das Dorf während der Spiele beherbergen. Sportlerinnen dagegen wurden in der Nähe des Stadions untergebracht. Gebaut wurde am Olympiadorf ab 1933 – unter der Führung des Reichswehrministeriums. Schon bei der Planung stand fest: Nach den Spielen würde das olympische Dorf zur Kaserne werden.

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olympia 1936 berlin olympisches dorf elstal wasmitb stadionIn nur zwei Jahren entstanden neben dem Sportplatz eine großzügige Schwimm- und eine Turnhalle, 136 Wohnbaracken, ein „Speisehaus der Nationen“, in dem für jede Mannschaft in 40 Küchen landestypisch gekocht wurde, eine Zoll- und Gepäckstelle und das zweistöckige „Hindenburghaus“ mit Trainings- und Funktionsräumen sowie einem großen Festsaal mit Bühne.

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Olympia unter Hitler: Trügerische Idylle

172 Militärbusse transportierten die Athleten während der Spiele zu den rund 20 Kilometer entfernten Wettkampfstätten. Auch den Zugang zum olympischen Dorf selbst kontrollierten Wehrmachtssoldaten. Wer hineinkam, fand sich in scheinbarer Idylle wieder: Eine Parklandschaft mit Sauna, ein künstlich angelegter Badesee und Dutzende Tiere aus dem Berliner Zoo sollten die Sportler zerstreuen. Rund 1000 Bäume wurden eigens hierher verpflanzt. 40 Gärtner kümmerten sich um die Pflege des Areals und besprühten die 90.000 m² des Parks mit Mückenvernichtungsmitteln.

olympia 1936 berlin olympisches dorf elstal wasmitb modellAuch in den Wohnhäusern der Athleten gab es jede Menge Annehmlichkeiten: Pro Baracke ein eigener Stewart, der sein Zimmer gleich hinter dem Eingangsbereich hatte, am anderen Ende ein kleiner Gemeinschaftsraum. Dazu verfügte jedes Haus über ein Bad mit Wanne und über einen Münzfernsprecher – die Sportler sollten sich aufgehoben und umsorgt fühlen.

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olympia 1936 berlin olympisches dorf elstal wasmitb athletenunterkuenfteAlle Maßnahmen täuschten über die Rassenideologie des Hitler-Regimes nur hinweg. Dass im Speisehaus der Nationen jedes Land für sich aß, war da nur eine Kleinigkeit. Jüdische Sportler aus Deutschland etwa konnten sich nur durch internationale Boykottversuche im Vorfeld der Spiele überhaupt qualifizieren. Kurz vor Olympia-Beginn wurden sie aus fadenscheinigen Gründen dennoch aus dem deutschen Team ausgeschlossen.

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Überflieger Jesse Owens

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Jesse Owens. commons.wikimedia.org

Trotz allem war der Star der Spiele ein Afroamerikaner: US-Leichtathlet Jesse Owens holte gleich vier Goldmedaillen (3x Sprint, 1x Weitsprung) und dürfte damit das PR-Kalkül Adolf Hitlers und seines Propagandaministers Joseph Goebbels empfindlich gestört haben: Schließlich sollten die Spiele nicht nur der Welt ein augenscheinlich weltoffenes Deutschland zeigen, sondern ihr auch die körperliche Überlegenheit arischer Athleten vor Augen führen.

Letztes Training in der Halle

Nach Kriegsende fiel das Gelände rund um das olympische Dorf an die russische Armee. Das Hindenburghaus wurde zum „Haus der Offiziere“, wovon heute noch ein auf den Putz gemaltes Lenin-Bild zeugt. Nach der Wende dann wurde mehrfach der erfolglose Versuch unternommen, die Liegenschaften als Ganzes zu vermarkten. Nur die alte Schwimmhalle diente bis Anfang der Neunziger als Trainingsbecken für Wasserball-Mannschaften. 1993 wurde sie durch einen Brandanschlag schwer beschädigt. Mehr als zwei Millionen Euro flossen in den Wiederaufbau der Halle. Seitdem wartet nun auch sie vergeblich auf die Rückkehr der Sportler.

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olympia 1936 berlin olympisches dorf elstal wasmitb leninMehr Infos zum Hinkommen, zu Führungen und Öffnungszeiten findet ihr auf der Seite der DKB Stiftung für gesellschaftliches Engagement.

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