Hip, nein hip ist es hier wirklich nicht: Die Kreuzung Rathenower-/Perleberger Straße im Berliner Stadtteil Moabit wirkt auch jetzt in der Weihnachtszeit eher grau. Wer Geschichten vom anderen Ende der Gesellschaft hören will, geht in die „Bum Bum Bar“ gleich an der Ecke. Döner gibt es bei „Franky’s Grillhaus“ nebenan und Bier in der „Scharfen Ecke“ oder im „Berliner Traditionsgasthaus Kaputter Heinrich“, die ihr beide auf jeden Fall mal besuchen solltet :). Ein paar Meter weiter hinter Edeka, wo früher mal der Knopf- und später ein Trödelladen waren, duftet es nach frischen Backwaren. Hier im Erdgeschoss eines Bürgerhauses aus der Jahrhundertwendezeit werden echte Berliner Plätzchen gebacken – mit ungewöhnlichen Motiven.

Backspaß Berliner Plätzchen wasmitb.de

„Das Besondere ist unser Teig“, sagt Constanze Lohbeck, die in ihrer Backstube gerade eine neue Schüssel angerührt hat. „Besonders, weil man mit dem auch ganz feine Linien und sehr kleine Schriften backen kann.“ Das ist wichtig, denn in der Werkstatt entstehen nicht einfach nur Kekse, sondern detailreich gebackene Architektur: leckere Reliefs berühmter Berliner Bauwerke – vom Brandenburger Tor über Kanzleramt und Museumsinsel bis hin zu den markanten Bürotürmen am Potsdamer Platz. „Alles in Handarbeit und ohne Zusatzstoffe“, versichert Constanze Lohbeck. Stattdessen gibt es einen detailreichen ‚Beipackzettel‘ über die Geschichte und Bauweise jedes Gebäudes“.

Teig_Berliner Plätzchen wasmitb.de

Teigmasse Berliner Plätzchen wasmitb.de

Backvorbereitungen Berliner Plätzchen wasmitb.de

Ein architektonisches Schätzchen ist auch die Backstube selbst: Im großen Hausflur fühlt man sich ans Ende des 19. Jahrhunderts versetzt. Eine breite Treppe mit kunstvoll geschwungenem Geländer führt in die oberen Etagen. In der Plätzchenwerkstatt fällt sofort die freigelegte alte und mit Stuck verzierte hohe Decke ins Auge. Der Raum ist groß aber sparsam eingerichtet; vor den zwei Schaufenstern steht ein alter runder Tisch mit mindestens ebenso alten Stühlen. Die raumlangen Arbeitsplatten schmiegen sich an die Seitenwände. Gebacken wird – ganz modern – im Elektroherd.

Backstube Berliner Plätzchen wasmitb.de

Beipackzettel Berliner Plätzchen wasmitb.de

Brandenburger Tor 2 Berliner Plätzchen wasmitb.de

„Als ich 2003 die Idee hatte, Berliner Wahrzeichen zu backen, gab es hier kaum originelle Souvenirs“, erinnert sich die studierte Produkt-Designerin. Das wollte sie ändern, lieh sich Geld von Freunden und gründete eine Ich-AG. Nicht nur die Kunden bissen schnell an: Vor ein paar Jahren hat Constanze Lohbeck eine begeisterte Geschäftspartnerin und Kollegin gefunden: Petra Vondenhof-Anderhalten. Und die ist – wie sollte es eigentlich anders sein – Architektin. Ihre Tochter Lina ist heute zu Besuch und macht auch gleich ein paar Dutzend Kekse. Die sind aber nicht zum Verkauf, sondern ausschließlich für die Familie bestimmt.

Verpacken Berliner Plätzchen wasmitb.de

Mittlerweile gibt es die rund vier mal sieben Zentimeter großen Plätzchen nicht mehr nur mit Berliner Motiven: Der Kölner Dom und Dresdens Semperoper sind ebenso im Angebot wie die Hamburger Elbphilharmonie oder das Tübinger Rathaus. Kekshungrige mit dem nötigen Kleingeld können sich zudem ihr ganz persönliches Plätzchenmotiv entwerfen lassen.

Zoo Palast Berliner Plätzchen wasmitb.de

Mehrere zehntausend Plätzchen wandern inzwischen pro Jahr über die Theke: nicht nur Stadtverwaltungen oder Firmen, die zur Weihnachtszeit ein besonderes Präsent anbieten wollen, gehören dazu, sondern auch Bundestag und Bundesrat. „Alles Mund-zu-Mund-Propaganda“, sagt Constanze Lohbeck lachend und walzt auf der Arbeitsplatte die nächste Portion Teig aus.

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Mehr über das besondere Plätzchenerlebnis findet ihr bei
http://berlinerplaetzchen.com