Mein Herz stolpert, der Kopf rast. Kann nicht wahr sein, denke ich. Das darf nicht wahr sein. Gestern hatte ich noch an dich gedacht, an deine Liebe zum Theater, mit der du uns alle angesteckt hast. Daran, dass wir uns bald bestimmt wiedersehen würden, bei einem Glas Wein, oder zwei. Einen Anruf später ist alles anders.

Wenn ich die Augen schließe, sehe ich dich. Dein Lachen klingt in meinem Ohr, so klar, so lebendig, als hätte ich es vor fünf Minuten zum letzten Mal gehört. Jeden Satz, den ich in Gedanken forme, höre ich aus deinem Mund. Wie kann jemand, der in meinem Kopf so präsent ist, auf einmal nicht mehr da sein?

Vielleicht, nein, sicher ist es müßig, zu fragen, warum wir uns länger nicht gesehen haben. Warum ich mich nicht bei dir gemeldet habe. Warum wir nicht noch mal im Theater waren. Oder gegrillt haben. Geredet haben. Gelacht haben. Gelebt haben.

Zum tausendsten Mal schaue auf mein Handy, sehe deine Nummer auf dem Display. Sie steht noch dort, wie jeden einzelnen Tag des letzten Jahres. Wie kannst du dann nicht mehr da sein?

Wenn der Sommer kommt, werden wir Rotwein und Oliven kaufen. Wir werden uns treffen, von dir erzählen. Wir werden über deinen Lebensmut, deine ansteckende Leidenschaft für Dinge, die dein Herz berühren, sprechen. Über dein Lachen, deine Herzlichkeit, deine Empathie und dein Mitgefühl und vielleicht auch über die dunklen Momente, die dir das Leben manchmal schwer gemacht haben. Vor allem aber werden wir Wein trinken, in den Himmel schauen und den ersten leichten Sommerwind auf unserer Haut spüren. Das hättest du gemocht.

Bis wir uns wiedersehen.

 

Foto: (C) James, „Sky“, Quelle, CC, bearbeitet