Als Illustratorin in Dänemark den Kopf beruflich über Wasser halten: kein leichter Job. So erleben das zumindest Jacobina, Betina, Jane, Lea und Stine aus Kopenhagen. Dennoch haben sich die fünf entschieden, ihren Traum vom Künstlerleben wahr zu machen und gründeten das Illustratorinnen-Kollektiv „Bob Noon“. Bewusst entschieden sie sich dagegen, nur teure Originale zu verkaufen. Stattdessen setzen sie auf liebevoll gestaltete Bücher, Karten, Spiele, Kalender und signierte Kunstdrucke. Mittlerweile gibt es die nicht nur in ihrem kleinen Geschäft in der Kopenhagener Matthæusgade, sondern in mehr als 20 Shops in zwölf Ländern, zum Beispiel in Deutschland und Japan. Wir haben mit Jacobina über den Traum von „Bob Noon“ gesprochen. Und über die Schwierigkeiten, ihn zu leben.

Hallo Jacobina, wie empfindest Du die Kreativ-Szene in Kopenhagen? Ist es einfach, hier als Illustratorin auf eigenen Beinen zu stehen?
Nein, das ist es definitiv nicht.

Wie habt ihr es trotzdem geschafft, mit „Bob Noon“ Erfolg zu haben?
Als es mit Bob Noon losging, waren wir die Einzigen in Dänemark, die eigene signierte Kunstwerke als Drucke verkauft haben. Genau das ist unsere Idee: Wir wollen Kunst für alle machen. Es sollte einfach für Jeden möglich sein, ein Kunstwerk zu kaufen, ohne dafür Unsummen auszugeben. Als „Bob Noon“ wollen wir die unendliche Welt der Bilder um eine schöne Facette bereichern.

bob noon kopenhagen wasmitb collage 1 mond mannWürdest Du sagen, dass das typisch schlichte dänische Design einen Einfluss auf eure Arbeiten hat?
Ich würde sagen, die Einfachheit des dänischen Designs ist überbewertet. Ich persönlich finde es nicht besonders inspirierend.

Seit wann und woher kennt ihr euch?
Wir haben alle an der Danish Design School studiert, uns teilweise aber erst danach kennengelernt, wie das manchmal so ist.

Und wie kam der Name für euer Projekt zustande?
Oh, da gab es nächtelange Diskussionen. Am Ende hatten wir so um die tausend verschiedene Ideen. [lacht] Ich weiß nicht mehr, wer von uns „Bob Noon“ in den Raum geworfen hat. Aber wir mochten die Poesie des Namens auf Anhieb. Auch, weil Bob Noon ein bisschen wie der Name eines imaginären Vorgesetzten klingt, für den wir seitdem mit viel Herzblut arbeiten.

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Was erwartet die Leute, wenn sie Bob Noon in seinem Laden besuchen?
Wir sind fünf sehr verschiedene Künstler mit einem jeweils eigenen Stil. Viel von dem, was es bei uns im Laden gibt, kann man sonst nirgends kaufen – zum Beispiel die Originale unserer Kunstwerke.

Was mögt ihr an eurer Arbeit am liebsten?
Wir machen, was uns wirklich Spaß macht. Das ist, glaube ich, das Beste an unserer Arbeit. Bei der Entwicklung unseres „Woodpuzzle“, „Memory“ oder „Sorte Per“ (Schwarzer Peter) haben wir uns zuerst einen gestalterischen Rahmen gesetzt. Diese Grenze dann auch wirklich nicht zu überschreiten, fordert die Kreativität ungemein heraus, und das ist ein tolles Gefühl.

Wie seid ihr zu eurem besonderen Illustrationsstil gekommen?
Wir haben uns alle schon viele Jahre mit dem Zeichnen beschäftigt. Durch die Millionen von Stunden, die Du am Schreib- oder Küchentisch sitzt, findest Du irgendwann Deinen persönlichen Stil. Einen leichteren Weg dahin gibt es leider nicht [lacht]. Jede von uns findet ihre Inspirationen fürs Zeichnen dabei auf andere Art und Weise. Die Welt der Zeichnungen und Illustrationen ist unendlich groß. Da gibt es natürlich auch den einen oder anderen Kollegen, von dem wir uns gerne inspirieren lassen.

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Welche der von euch gezeichneten Figuren magst Du am liebsten?
Ihr solltet euch alle vor „Sorte Per“ – dem schwarzen Peter – in Acht nehmen [lacht]…

Wo würdet ihr eure Illustrationen gerne mal ausstellen oder verkaufen?
Zum Beispiel im NOMA [einem der besten Restaurants der Welt mitten in Kopenhagen, Anm. d. Red.]… Wir haben einen Agenten, der uns in Skandinavien vertritt. Aber wir suchen noch nach Anbietern, die uns weltweit vermarkten. Es ist so toll, wenn uns Menschen, die aus Australien oder Südafrika kommen, schreiben, dass unsere Kunst in ihren Wohnzimmern hängt. Das macht uns manchmal richtig schwindelig. Denn man fühlt sich dann so verbunden miteinander.

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Wo seht ihr euch und Bob Noon in fünf Jahren?
Wir sind dann natürlich reich und erfolgreich [lacht]. Jedenfalls reich genug, um all die Menschen zu bezahlen, die sich um die logistischen Aufgaben kümmern, die eine Firma wie „Bob Noon“ so mit sich bringt. Dann werden wir alle Zeit der Welt haben, um zu zeichnen und uns verrückte Dinge auszudenken – und natürlich auch genug Geld, um all das produzieren zu lassen. Ich glaube, reich sein würde insoweit einen Unterschied machen, als dass man einfach mehr Zeit hätte, weil man nicht jeden Moment so extrem aufs Geld achten muss. Es braucht einfach Zeit, das Beste aus sich herauszuholen. Genau das musst Du aber, wenn Du Dich entschlossen hast, auf einem Gebiet wie unserem Geld zu verdienen.

Was war euer bisher größter Erfolg?
Wir haben es geschafft, in den guten Zeiten zusammenzuhalten – aber auch in den schlechten. Manchmal war das gar nicht so leicht.

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Kaufen könnt ihr die Bilder von Bob Noon nicht nur in Kopenhagen, sondern zum Beispiel auch in Hamburg, Berlin, Frankfurt und München.