Nuttenfrühstück vor dem Hostel, drei partymüde Gesichter und ein wunderschöner alter Dylan-Song: Berlin, wie schroff und gleichzeitig schön Du immer wieder sein kannst: Genau diesen Eindruck hatte ich neulich an einem Donnerstagmorgen gegen elf auf der Görlitzer Straße, als ich zufällig Sleman (23), Morad (28) und Safwan (23) aus Israel traf. Es sah aus, als hätten die drei tagelang durchgefeiert. Aus gutem Grund: Als Mitglieder der religiösen Minderheit der Drusen leben sie sonst in einer eher dörflichen und zurückgezogenen Gemeinschaft. Öffentliche Konzerte oder gar Partys, sagen sie, fänden in ihrem Heimatort in der Nähe von Haifa so gut wie nie statt.

Deswegen waren alle drei extra für ein paar Tage nach Berlin gekommen und fanden: die in ihren Augen beste Stadt Europas. „Du kannst Dich hier jede Minute mit Menschen aus der ganzen Welt verbinden, die genau das Gleiche wollen wie Du“, sagt Morad noch mit völlig untrainierter und brummiger Stimme. „Überall sind Konzerte und selbst im Winter gibt’s hier Festivals.“

Wenn die drei Männer in ihrem Heimatort Daliyat el Carmel mit rund 10.000 Einwohnern Musik machen wollen, müssen sie sich selbst Gitarre und Verstärker schnappen. Ihre Stadt, so sagen sie, habe kein Geld, die Kultur liege brach. Deshalb haben Sleman, Morad und Safwan im letzten Jahr ihr erstes eigenes Festival auf die Beine gestellt – auf einem großen Gartengrundstück mit zehn Bands und mehr als 300 Leuten, die zum Feiern, Tanzen und Zuhören gekommen waren. „Unser Bandabend war eine der besten Aktionen, die wir je gemacht haben. Wir werden das auf jeden Fall wiederholen. Das haben wir uns hier in Berlin geschworen.“