Rosamunde hätte es nicht besser gekonnt: Strahlend blauer Himmel, kreidefarbene Steilküste, über mir die Möwen. Der Wind zerzauselt meine Haare. Eine Sonnenbrille wäre jetzt nicht schlecht. Aus zusammengekniffenen Augen streift mein Blick die kleinen Backsteinhäuschen mit ihren weißen Holzfenstern und den pastelligen Eingangstüren. Genau so stellt man sich England vor. Und ich mittendrin: auf meiner Holzbank, die Sonnenstrahlen im Gesicht, das Meer so nah, dass ich es riechen kann. Klingt kitschig? Wie im Film? Sag ich ja – es fehlt nur noch die Hintergrundmusik.

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Fish Chips Hunstanton wasmitbNeben meinem rechten Fuss quakt es – der Enterich zeigt echtes, aber vergebliches Interesse am Rest meiner schier unschaffbaren Portion Fish & Chips. Ich stehe auf. Wir schlendern vorbei an noch mehr Bänken, ordentlich bepflanzten Blumenbeten und betonierten Mini-Vorgärten, an Laternen und Landhäusern, in der Ferne der Leuchtturm. In meinem Bauch macht sich langsam aber sicher das Wochenendurlaubsgefühl breit, auf das ich heimlich spekuliert hatte. Den Gesichtern der anderen Samstagsausflügler nach zu urteilen, bin ich hier in Hunstanton in guter Gesellschaft.

Townhall Hunstanton wasmitb„Ever enjoyed the fun of a 2p-machine?“ reißt Paul mich aus meiner Urlaubsidylle. Bille wirft mir einen bedeutungsschwangeren Blick zu. „Actually, I haven’t…“, antworte ich zögerlich, nicht wissend, wovon er überhaupt redet. „I’ll show you“, sagt Paul und wie angeknipst macht sich auf seinem Gesicht das freudige Erwartungsgrinsen eines 6-jährigen breit. Paul ist 32. Zielstrebig steuern wir auf ein Gebäude an der Strandpromenade von Hunstanton zu, dessen Türen weit offen stehen.

2p machine Hunstanton wasmitbDrinnen wartet Las Vegas auf Britisch: Ein Automatenuniversum für 6-jährige. Kinderzimmerteppichboden unter unseren Füßen und bunte, blinkende Lichter wohin ich schaue, umzingelt von unzähligen Automaten, die sich ausschließlich mit 2-Pence-Münzen füttern lassen. Mit viel Geduld, Glück und Geldstücken kann man ihnen Kuscheltiere, Gutscheine und Plastikfiguren entlocken – oder weitere 2p-Münzen, um endlos weiterzuspielen. Machen wir’s kurz: Es macht süchtig. Am Ende schenkt Paul mir den Teddy, den er – ganz der geübte Zocker – direkt aus der ersten Maschine gefischt hatte.

Bears Hunstanton wasmitbZurück ins Tageslicht. Erst mal wieder klarkommen. Wie viel habe ich da eben verzockt? 15 Pfund? Ich wollte das doch nur mal ausprobieren… Naja, verbuchen wir’s unter „Erfahrung“.

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Haus Hunstanton wasmitbWir bummeln Richtung Haupteinkaufsstraße von Hunstanton. Ein Souvenirladen neben einem Immobilienmakler, neben einem Laden mit Angelbedarf, neben einer Bäckerei. Scones mit Rosinen wandern in meine Tasche, für uns alle, für später, statt des Abendessens. Mit clotted cream und Marmelade. Sehr englisch. Da soll noch mal einer sagen, ich wäre nicht anpassungsfähig.

Beach houses Hunstanton wasmitbWir lassen uns wieder Richtung Strand und Klippen treiben. Da warten riesige Bojen und bunte Holzhäuschen, die aussehen, als habe Rosamunde auch hier ihre Finger im Spiel gehabt. Drumherum stehen Buden, in denen dickbäuchige Verkäufer Luftmatratzen, Schwimmringe und Badehandtücher verkaufen. Im Caravan Park nebenan verbringen manche Urlauber seit Jahrzehnten jedes Wochenende – auch im Winter. Genau so habe ich mir Urlaub am Meer auf Britisch vorgestellt. Genau so hat es in Rosamundes Filmen nämlich auch immer ausgesehen. Nur die 2p-Automaten-Welt, die kam da nie vor. Schade eigentlich – da haben die definitiv was verpasst.

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