So weiß Nikosia ist, so beige ist Famagusta. Die Sonne scheint hier in der nordzyprischen Küstenstadt nicht ganz so gleißend; die Einwohner sind keine Hauptstadtmenschen und immer wieder trifft man hier auf verlassene, zerstörte Kirchen, deren meterdicke Mauern der Geschichte Zyperns nicht genug entgegenzusetzen hatten.

famagusta zypern fenster haustür wasmitbNur einen Tag verbringe ich dieses Mal während meiner Inselzeit hier. Ich schlendere durch die kleinen Gassen innerhalb der Stadtmauern, beobachte die wenigen Touristen, die Katzen, die den Schatten suchen, die türkischen Zyprer, die mit ihrem Çay über einer Partie Backgammon brüten. Vor der ehemaligen St. Nikolas Kathedrale nehme ich Platz, in einem kleinem Restaurant, auf einem sandfarbenen Korbstuhl. Ich lausche.

famagusta zypern altes haus wasmitbAls der Muezzin verstummt, trinke ich den letzten Schluck meines schwarzen Tees und mache mich auf den Rückweg. Zu Fuß durch das Beige. Famagustas Farbton wird der Stadt gerecht: Sie wirkt unbehandelt. Sie hat sich nicht aufgehübscht; sie versucht nicht, etwas zu sein, das sie nicht ist. Vielleicht macht genau das den Charme dieses Ortes aus. Vielleicht aber konnte der auch erst durch die Unachtsamkeit jener Touristen entstehen, die sich ausschließlich für die abgeriegelte Geisterstadt Varosha direkt nebenan interessieren. Dabei ist Famagusta atmosphärisch, authentisch und aufregend, nur eben auf eine leise Art – so, wie Beige neben strahlendem Weiß der heimliche, und zuweilen der eigentliche Hingucker ist.

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