In-sta-gram – für mich kommt das von „instant“, also unmittelbar, sofort – und von „Telegramm“, einer Sendung, die Dich schnellstmöglich erreichen soll. Wenn ich mich aber durch unseren Instagram-Feed scrolle, geht es dort schon lange nicht mehr darum, genau diesen Moment, diese Sekunde, das Hier und Jetzt mit der Welt zu teilen. Und das nervt. 

Zum einen haben die #latergrams dieser Welt dazu beigetragen: Mit steigender Popularität wurden Bilder immer öfter erst später, im Rückblick, bei Instagram hochgeladen. Latergrams haben als erste das Moment der Unmittelbarkeit von Instagram in Frage gestellt. So weit, so schlecht im Sinne der Erfinder.

Irgendwie gehe ich hier aber noch mit. Man kann ja nicht immer und überall kurz mal anhalten, um noch schnell den aktuellen Augenblick abzuschicken – etwa während der New Yorker Rushhour mitten auf dem Zebrastreifen, oder in den Schweizer Alpen, während man mit oder auch ohne Seil in der Steilwand hängt. Geschenkt. Machen wir auch nicht.

Anders sieht meine Meinung aus, wenn es um die immer beliebtere Verbindung von Spiegelreflexkameras und Instagram geht. Für mich haben die Fotos hochauflösender Kameras mit fetten Objektiven, die nachträglich noch aufwendig in Photoshop oder Lightroom bearbeitet wurden, auf Instagram nichts zu suchen. Denn weiter entfernt von „instant“ geht es eigentlich nicht. Für Fotospezialisten, die Wert auf perfekte Bilder legen, gibt es ja schließlich auch noch Flickr, Tumblr, Fotocommunity, Picasa, Pinterest oder 500px. Spielwiese genug – oder?

 

Instagram – Mobile Photography vs. Hochglanz-Fotos

Für mich geht es bei Instagram um „Mobile Photography“. Der Reiz liegt in der Unmittelbarkeit und darin, unter den begrenzten technischen und zeitlichen Bedingungen das bestmögliche Foto zu machen. Wenn ich die Spiegelreflex raushole, ist das ein ganz anderes Universum. Da will ich das ultimative Foto, nicht gemessen an den im Foto-Moment herrschenden Rahmenbedingungen, sondern absolut betrachtet – und ich hoffe, diese Einstellung teile ich mit ein paar anderen von euch da draußen.

Doch mit jedem Blick in unseren Instagram-Feed werde ich wütender: Wie kann es sein, dass ich unter all den Fotos inzwischen schon die suchen muss, die offenkundig nicht von einer Spiegelreflex stammen? Warum sind die Nutzer, die der ursprünglichen „instant“-Philosophie von Instagram folgen, inzwischen in der Minderheit? Und wieso komme manchmal ich mir wie der Fehler im System vor, wenn ich die Qualität meiner Fotos mit der all jener vergleiche, die dem Hightech-Foto-Gott, der hier sein Unwesen treibt, längst huldigen?

 

DSLRs auf Instagram: Kampfjets unter Segelfliegern

Spiegelreflexkameras auf Instagram – das ist wie ein Kampfjet auf dem Segelflugplatz, ein F1-Car beim beim Buggy-Rennen, ein Hochbau-Ingenieur beim Baumhaus-Wettbewerb für 14-Jährige. Kurzum: Spielverderberei. Wettbewerbsverzerrung. Ich würde mich sogar so weit aus dem Fenster lehnen und sagen: nicht im Sinne der Erfinder. Denn sind wir ehrlich, raubt jede Spiegelreflexkamera, jeder in Photoshop bis zum letzten Pixel verbesserte Bildausschnitt Instagram etwas von seinem Zauber.  Der entsteht nämlich nur in dem Moment, wenn ich mein Handy in der Hand halte, und nur diese eine Chance habe, das Foto zu machen. So unperfekt es auch sein mag.