Ich hatte es kommen sehen: Die Stadt, die man von Berlin aus dank Flugzeug in lächerlichen 40 Minuten erreichen kann (sogar von der Schönhauser bis nach Schönefeld dauert es länger!), würde meinen Ruin bedeuten. Wo sonst, als im Land des Minimalismus, der klaren Formen und Farben sollte ich mein Geld besser über die Ladentheke schieben? Deshalb hatte ich mich mental vorbereitet: Ja, mir würde vermutlich überall alles gefallen. Ja, ich würde viel davon als Beute mit zurück nach Berlin schleppen wollen. Und ja, das würde verdammt teuer werden. Und so nahm das Elend seinen Lauf.

Kopenhagen: Wen die Sale-Schilder locken

Ich muss gestehen: Manchmal bin ich ganz schlimm Mädchen. Beim Shoppen zum Beispiel. Wenn die Sale-Schilder locken – und leider auch, wenn nicht. Besonders verlockend ist das immer im Urlaub, denn: Das gibt’s zu Hause ja alles nicht. Das kriege ich so nirgendwo anders. Das ist eine einmalige Gelegenheit. Da MUSS ich einfach zuschlagen. In solchen Momenten vergesse ich mitunter mein Urlaubsbudget, den verbleibenden Platz im Koffer und jegliche Bescheidenheit.

Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich nie wahllos bin bei meinen Beutezügen: Was auf den ersten Blick gefällt, und zwar so richtig, dass wandert schon mal mit. Was einen zweiten oder dritten Blick braucht oder ich mir gar schönreden muss, ist raus. Immerhin.

Kopenhagen Oehlenschlægersgade FrisörMachen wir es kurz: Kopenhagen und seine Läden sind genauso umwerfend, wie erwartet – ob Klamotten, Accessoires, Einrichtungskram oder Essen. In Nullkommanix hatte ich fünf Einkaufstüten am Handgelenk. Ich muss wohl kurz die Beherrschung verloren haben. Hust. Aber weil es nicht nur erfolgreich, sondern auch wirklich hübsch anzusehen, ja inspirierend war, teile ich die besten Ecken und Adressen mit euch. Ich bin mir sicher, auch euer Shoppingherz wird schneller schlagen.

Kopenhagen Hyazinthen

Kopenhagen-Prints von Vissevasse

Kopenhagen Oehlenschlægersgade Wohnhaus

Wo ihr in Kopenhagen shoppen gehen solltet

Bei Girlie Hurly in der Istedgade 99 findet ihr, wie der Name schon sagt, jede Menge Mädchenkram: Illustrationen, Vasen, Porzellandosen, Schmuck, Lampen. Der Laden ist winzig; ich hätte ungelogen alles kaufen können. Am Ende durften die Prints von Vissevasse (die ihr ein bisschen weiter oben gesehen habt) und ein Paar Ohrringe mit nach Hause.

Kopenhagen Girlie Hurly OhrringeEbenfalls in der Istedgade, diesmal Nummer 80, ist DANSKmadeforrooms. Leider (oder zum Glück?) war schon zu, als ich ihn entdeckte und so habe ich mir lediglich die Nase an der Scheibe plattgedrückt und diesen etwas anderen Kronleuchter und die kupfrig-glänzenden Dosen angehimmelt.

Kopenhagen Hay Bits and BobsDer Laden, den ich mit den wahrscheinlich höchsten Erwartungen betreten habe: Das Hay House in der Østergade 61. Schon im Vorfeld hatte ich einen Blick auf die KALEIDO-Serie geworden. Dazu gab’s dann noch Kreise zum Aufbewahren, leider nur zum Verschenken. Fest steht: Aus dem Store würde ich am liebsten fast alles in unsere Berliner Altbauwohnung importieren, wenn, ja wenn da noch Platz wäre. Und der passende Geldbeutel müsste vorher auch noch her.

Kopenhagen Hay KALEIDO

Kopenhagen Hay Bits and BobsWer Hay mag, wird auch Bolia, zum Beispiel in der Vesterbrogade 67, lieben. Besonders gut haben mir die Körbe im Kupferlook, die gesprenkelten Kissen und die Origami-Lampen gefallen. Im Übrigen hätte ich nichts dagegen, mir ein neues Sofa nach meinen ganz eigenen Vorstellungen zusammenzustellen, das kann man bei Bolia nämlich auch. Und weils Bolia mittlerweile auch in Deutschland gibt, ist das immerhin ein Wunsch mit Potenzial.

Bei Plint in der Købmagergade 50 bekommt ihr ebenfalls jede Menge Kram für die Wohnung und zum Dekorieren. Eine mintfarbene Waage könnte ich mir zum Beispiel ganz hervorragend in meiner Küche vorstellen oder auch diese Bank in unserem Flur. Aber ihr wisst ja: Der Koffer und so.

Kopenhagen Værnedamsvej BlomsterskuretDora (Værnedamsvej 6) bietet einen tollen Mix aus Designklassikern – ob Möbel, Porzellan, oder Sonnenbrillen – und Vintage-Schätzchen wie alten Blechdosen, Neonleuchtbuchstaben und Kristallgläsern.

Kopenhagen Dora Shop VærnedamsvejWenn ihr schon mal da seid: Fast direkt nebenan (seltsamerweise ebenfalls Hausnummer 6) liegt der Concept Store Playtype, wo Typography-Fans dank Postern, ABC-Kaffeetassen, Betonbuchstaben und vielem mehr auf ihre Kosten kommen.

Kopenhagen VirkvärftetIm kleinen Souterrain-Lädchen von Virkvärftet in der Oehlenschlægersgade 26 bekommt ihr Holzdesign aus dem Laser-Cutter. Da ich mich schon beim Blick ins Schaufenster in die Kette verguckt habe, musste sie mit.

Kopenhagen Virkvärftet KetteEin Stückchen weiter die Straße runter gibt es auf halber Höhe zur Straße Maur, ebenfalls ein Paradies für Möbel, Lampen, Wohntextilien und allerlei Schnickschnack für Zuhause, der zwar unnötig, aber hübsch ist.

Shoppen macht ja bekanntlich hungrig, deswegen hier noch die besten Tipps für Kaffee, Essen & Co. in Kopenhagen direkt hinterher:

Kopenhagen: Kuchenhunger und Kaffeedurst?

Kopenhagen Lagkagehuset ErdbeertörtchenJeden meiner Tage in Kopenhagen habe ich mit einem großem Kaffee und einem noch ganz warmen Kanelgifler (die dänische Version einer Zimtschnecke ) von Lagkagehuset gestartet. Was ihr in den Filialen schon von draußen im Schaufenster anschmachten könnt, schmeckt mindestens so gut, wie es aussieht. Am liebsten hätte ich mich durch die komplette Auslage genascht, aber es gab noch so viel anderes zu probieren im Norden.

Kopenhagen Lagkagehuset Auslage

Kopenhagen GranolaImmer proppenvoll, aber aus Gründen: Frühstücken bei Granola in der Værnedamsvej 5 ist schwer angesagt, weil es ein bisschen was von einer Zeitreise hat. Nostalgie wird hier mit Milchshakes zelebriert.

Für den Kaffee zwischendurch könnt ihr euch einfach so durch die Stadt trinken: Ob zum Beispiel bei Rist Kaffebar (Værnedamsvej 4B), Cafe Bang & Jensen (Istedgade 130), Enghave Kaffe (Enghave Plads 3) oder aber bei gutem Wetter draußen ganz down to earth auf Bierzeltgarnituren bei Kihosk (Sønder Boulevard 53) – von wo aus es sich übrigens ganz wunderbar zu Shoppingtouren durch Vesterbro, den ehemaligen Rotlichtbezirk Kopenhagens, der schwer im Kommen ist, aufbrechen lässt.

Kopenhagen Rist KaffebarEines der absoluten Highlights waren für mich übrigens die ganzen Bonbonläden, die ihr überall in Kopenhagen, zum Beispiel in der Fisketorvet-Mall oder an der Ecke Vesterbrogade/Kaalundsgade, findet. Hier könnt ihr euch aus einer riesigen Auswahl eine süße, gemischte Tüte zusammenstellen. Wenn ihr euch kurzzeitig ausklinken wollt, schnappt ihr euch noch irgendwo einen Cider und macht euch auf nach Christiania: 1971 von Hippies besetzt verstehen die Bewohner das Gebiet auch heute noch als freien Staat im Staat, der nach ganz eigenen Regeln funktioniert und mit seinen alternativen Lebenskonzepten Künstler, Freidenker und Feiersüchtige aus der ganzen Welt anlockt.

Kopenhagen Christiania

Kopenhagen: Und wo gehen wir essen?

Bock auf Burger? Auch wenn es sich um eine Kette handelt und das gemeinhin irgendwie als nicht so sexy gilt, kann ich euch das Halifax, zum Beispiel in der Vesterbrogade 72, wärmstens empfehlen: Mein Bacon-Cheese-Guacamole-Burger war ein absoluter Knaller. Recht haben die Betreiber, wenn sie behaupten: Burgers are forever.

Ansonsten gibt es Steak, Fisch und Käse mit Feigen inklusive New-York-Feeling bei Madklubben (Vesterbrogade 62), wo ihr unbedingt reservieren solltet, moderne italienische Küche in tollem Interior bei Spuntino (Vesterbrogade 68) oder vietnamesische Kleinigkeiten bei Lê Lê nhà hàng (Vesterbrogade 56).

Kopenhagen FalernumTagsüber noch Kaffee- und Sonnenspot, wird das Falernum (Værnedamsvej 16) abends zur hippen, aber keineswegs anstrengenden, dafür aber rappelvollen Weinbar.

Zu später Stunde lohnt sich ein Abstecher in die Riesen Bar (Oehlenschlægersgade 36), die mit Bier und lauter Musik lockt.

So, das wars jetzt aber auch mit den Tipps. Was meinen Beutezug anbelangt: Am Ende hat mit viel Quetschen, Ziehen und Zerren alles gerade noch so in den Koffer gepasst. Ein Glück.

Kopenhagen Nyhavn