An der Ampel Höhe U-Schönhauser ist wieder mal Rot. Ich warte, den Einkaufsbeutel mit der Katzenstreu unter den linken Arm geklemmt. Dabei hab ich’s eigentlich eilig. Grün, go. Unter der U-Bahn-Trasse: Ein Mensch mit Gitarre und Mikro. Das kommt hier zwar öfter vor –  aber nicht immer ist das, was sich den Weg in meine Ohren bahnt, so gut wie heute. Ich bleibe. Die Eile kann warten.

Der, der da seine Gitarre bearbeitet, ist Michael Brinkworth aus Brisbane, Australien. Passt ins B-Konzept, würde ich sagen. Zufälle gibt’s. Mike ist 26. Mit 15 fing er an, Gitarre zu spielen; erst in verschiedenen Bands, aktuell zum Beispiel zusammen mit Marco Natty bei The Red Town Blues. Seine Reisen machten ihn schließlich zum Singer und Songwriter.

„Berlin ist wirklich ziemlich frei“, antwortet Mike, als ich ihn nach seinem Bild vom dicken B frage. „Du triffst eine Menge kreative Leute. Das ist toll, aber auch schwer zugleich. Denn es gibt echt viele Gigs hier und an jeder Ecke steht irgendwer und macht Musik“ – so wie diesen Abend.

Stimmung wie in New York

Die Stimmung empfindet er deswegen ein bisschen so, wie sie für New York in den 60ern beschrieben wird. Denn die Stadt ist international, bunt und voll an verrückten Möglichkeiten. Auf jeden Fall sei Berlin als Ort zum Leben und Musik machen besser als Paris: „Ich meine, das fing hier schon vor 25 Jahren an, als die Mauer fiel“, sagt er. „Und immer noch ist da Luft nach oben.“

Seit einigen Jahren ist Mike Brinkworth schon als Straßenmusiker unterwegs auf allen Kontinenten. „Auf der Straße zu sein ist toll“, sagt er, aber auch: „Du musst aufpassen, dass Du irgendwann wieder eine Bleibe und einen Halt findest. Wenn Du zu lange unterwegs bist, wirst Du irgendwann verrückt.“ Dass das Reisen und auf der Straße Spielen seine Schattenseiten hat, spiegelt sich auch in Mikes Songs wieder. Im melancholischen I was myself etwa singt er:

„maybe in the next town I´ll meet a girl
she can tell me about her whole world
and would never ask for anything back
how I´d go for someone like that if
I was myself“
 

Immerhin: Mittlerweile hat es den Singer und Songwriter fast schon ein Jahr lang in Berlin gehalten. Vielleicht bleibt er ja. Sein Album „Lost Road Songs“, das es nur direkt bei ihm für 5 Euro zu kaufen gibt, hat seinen Weg in mein Wohnzimmer schon gefunden.

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